Veränderung.

Hamburg.

Meine größte Veränderung in der letzten Zeit. Und mit dieser großen Veränderung, dem Umzug vom Süden in den Norden, kamen auch ganz viele kleine. Es ist nicht alles gut und das wird es auch noch länger nicht sein, aber es fühlt sich so an, als wäre ich auf dem Weg dahin. Ich bin ab und zu gestresst und angespannt und merke, dass es etwas viel wird, aber ich zerbreche nicht mehr. Ich sitze nicht mehr auf dem Boden, weil ich zu schwach bin zu stehen. Ich stehe nicht mehr unter der Dusche und kann die Tränen nicht mehr zurückhalten. Ich weine nicht mehr. Und wenn ich weine, dann vor Lachen. Ich kann wieder lachen. Ich habe gelernt vor fremden Menschen zu essen. Ich kann in der Öffentlichkeit essen. Ich habe keine Angst mehr vor der Öffentlichkeit und gebe ihr nicht mehr so viel Macht über mich. Ich habe mir angewöhnt, weniger peinlich zu finden. Ich rege mich über weniger auf. Ich versuche zu unterscheiden: Zwischen Dingen, die ich beeinflussen kann und in die ich meine Energie stecken kann, und Dingen, die ich nicht ändern kann und die mir egal sein können. Mir ist nicht mehr alles egal. Ich kann wieder fühlen. Ich glaube sogar soweit gehen zu können und sagen zu können, ich kann mich wieder verlieben. So richtig und mit allem.

Ich werde immer noch von meinen Gefühlen und Gedanken überrumpelt. So wie vorhin. Ich habe nicht gemerkt, dass mir die letzte Zeit Energie geraubt hat und saß auf meinem Bett. Leer und gleichzeitig voll. Gedankenleer und gefühlvoll. Und ich glaubte weinen zu müssen. Aber statt zu weinen, konnte ich darüber nachdenken. Ich schaffte es, die einzelnen Gefühle zu finden, ihnen Bilder und Erlebnisse zuzuschreiben und sie einzuordnen. Ich stand nicht mitten in einem Kreisel, in dem die Gefühle immer schneller und schneller fuhren und sich letztendlich alles dreht und ich mich in entgegengesetzte Richtung bewegte, dagegen ankämpfte und von ihnen niedergestreckt wurde.

Ich habe mich in zwei Monaten Hamburg verändert. Und das war auch dringend nötig.