Vorfreude auf das Ungewisse

Und vielleicht fange ich einfach an mich auf das, was kommt zu freuen. Denn im Moment tue ich das wirklich. Ich habe mittlerweile unzählige Bewerbungen verschickt, morgen schicke ich die letzten an die Universität und es fühlt sich gar nicht so schlecht an, ein halbes Jahr lang machen zu können, was ich will. Ich bin ziemlich gespannt, was kommen wird, aber da mich das Neue, das Unbekannte und hoffentlich auch das Aufregende so sehr reizt, treibt es mich an, um den Rest zu schaffen. (Weswegen ich mir gleich noch einen Einstufungstest mitten in die Klausurenphase gelegt habe, aber: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und da war ja auch noch was mit diesem „yolo“.) Und ich freue mich sehr auf das Twavaria (das noch mitten in meiner spannenden Phase und Twitterabstinenz liegt) und das Twizzadate (da hab ich dann auch ALLES hinter mir) ich bin so gespannt auf euch und freue mich nur noch.
Bis bald, Welle.

Ich bin Charlie

„Ein schwarzer Tag für die Pressefreiheit in Europa“ (Reporter ohne Grenzen)

Journalisten riskieren immer wieder ihr Leben. Es ist eine erschreckend lange Liste mit Reportern, Fotografen und Karikaturisten, die ihr Leben für die Berichterstattung ließen. Ich denke an Faisal Qureshi, einen Mitarbeiter der The London Post, der jahrelang Morddrohungen erhielt und 2011 in Pakistan ums Leben kam. „Police reports said Qureshi’s throat had been cut and described his body as showing signs of torture“ (The Express Tribune). Ich denke an Anja Niedringhaus, eine Fotojournalistin, die in die Kriegsgebiete reiste und mit ihren Fotos Geschichten erzählte (http://blogs.mprnews.org/newscut/2014/04/anja-niedringhaus-humanity-in-her-own-pictures/), die 2014 in Afghanistan erschossen wurde. Seit gestern denke ich an Stéphane Charbonnier, Jean Cabut, Georges Wolinsiki und Bernard Verlhac, kurz an Charb, Cabu, Wolinsiki und Tignous, die am 7. Januar bei einem Terroranschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo ermordet wurden.

„Je suis Charlie“ –  „I am Charlie“ – „Ich bin Charlie“

Ich habe eine Stimme, die gehört werden kann. Ich habe meine eigene Meinung. Ich habe einen Stift, ich habe Wörter, ich habe die Kraft zu kämpfen. Ich habe die mächtigste Waffe der Welt: Freie Gedanken.

Ich habe die Kraft für die großartige Presse- und Meinungsfreiheit einzustehen. Ich habe die Kraft gegen Vorurteile zu kämpfen. Ich habe die Kraft auf die Straße zu gehen und der ganzen Welt zu zeigen, dass es Menschen gibt, die sich nicht unterkriegen lassen. Ich habe die Kraft für andere zu kämpfen.
Und ihr habt sie auch.

Liebe Lehrer, seht euch im Französischunterricht Karikaturen der Charlie Hebdo an, analysiert im Deutschunterricht die Reden unserer Politiker, zeigt ihnen, die Schockstarre, in der sie sich, unfähig zu handeln, befinden. Werdet nicht müde im Geschichtsunterricht zu betonen, wie viele für die Freiheit der Presse und das Recht auf eine eigene Meinung ihr Leben ließen. Macht sie vertraut mit Pegida. Erklärt ihnen, was dahinter steckt, zeigt ihnen, welche Mittel verwendet werden, um Mensche zu beeinflussen. Gebt nicht auf ihnen Zusammenhänge zu erklären. Zeigt ihnen, wie es vor nicht einmal hundert Jahren zum Holocaust kommen konnte. Zeigt ihnen wie machtvoll die Medien sind, wie sie eingesetzt werden, sowohl für das Gute als auch für das Schlechte. Gebt euren Schülern alle Informationen, die sie brauchen, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Gebt ihnen die Fähigkeit für diese Meinung einzustehen und zu kämpfen, dafür auf die Straßen zu gehen und nicht aufzugeben. Gebt unserer Gesellschaft eine Chance auf eine Zukunft, in der wir aus unserer Vergangenheit gelernt haben und begriffen haben, dass Hautfarbe, Religion und politische Gesinnung keine Gründe für Blutvergießen sind.

Lasst uns nicht die Augen verschließen, lasst uns offen durch die Welt gehen und zeigen, dass wir da sind.

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Ich habe Twitter verstanden, zumindest ein bisschen

Wenn ich an Twitter denke, denke ich an Sterne. An die Sterne unter denen wir zu dritt vor der Bayerischen Staatsoper saßen und quatschten. Ich denke an eine Welle, die umgeben von Ostseesand zwischen zwei Plexiglasscheiben in meinem Regal ruht. Ich denke an einen Adventskalender, der mich jeden Tag im Jahr lächeln lässt. Ich denke an einen Glückswichtel, der an meinem Wecker lehnt. Ich denke an meinen ersten Städtetrip so ganz alleine hin zu wild fremden Menschen quer durchs Land. Ich denke daran, wie ich mich noch mehr in Hamburg verliebt, vor allem wegen der Menschen, die ich dort traf. Ich denke an die Flasche Elbwasser und das Gläschen Elbstrandsand in meinem Regal, neben dem Holzbrettchen, auf dem Wellen zu sehen sind, mein Name und der Twittervogel. Ich denke an das Bild, das auf dem Regal steht, an die anderen Bilder, die ich von diesem Twitterer kaufte und eines meinem besten Freund schenkte. Ich denke an mein absolutes Lieblingsbild. Ich denke an Alkohol, der während Gesprächen, beim Mario Kart spielen, auf einem Balkon in Hannover oder auf dem Tollwood floss. Ich denke an mein erstes Kölsch. Ich denke an Kaffee, an Bier auf dem Nachhauseweg, an Fußballspiele, an einen Kuss. Ich denke an Worte, für immer gefesselt auf Papier, auf den Postkarten, die mittlerweile nicht nur die Wand in meiner Küche, sondern auch die Leine hinter meinem Bett bewohnen. Ich denke an Bücher über eine Männer-WG, eine rüstige Rentnerin, Katzen und viel mehr, die in einem eigenen Fach neben meinem Bett stehen. Ich denke an einen Roadtrip, an Umarmungen, an strahlende Augen, an Stimmen, an Lachen, an einen Hund, an zwei Hunde, an die Weser, an zwei Väter, an eine Mutter, an einen Abend im Kino, an neue Städte, an Averna, an einen Aschefleck, der sich zwar nicht auf meinem, aber dennoch dem gleichen Kleid befand, an Weißwein, an meine Beanie, die mir jeden Tag die Ohren wärmt, an Zugfahrten, an einen Kaffee der zum Zug gebracht wurde, an ein Eis an der Alster, die Bank, eine Skizze davon, einen Tee an gleicher Stelle zwei Monate später, den Sonnenaufgang über Hamburg, eine Flaschenpost, an Sternschnuppen, an Regen und Kälte, an Sonne und Wind, an Smartphones, die weggelegt wurden, an euch und mich. Ich denke an Worte, an Emotionen, an Menschen.

Pausenwellchen

6. Januar 23:36 Uhr

https://twitter.com/wellenart/status/552594539593359361

Seit Monaten sage ich mir, dass ich im neuen Jahr aufhöre zu twittern und um das durchzuziehen, um wirklich tschüss zu sagen, habe ich eine Woche gebraucht, in der ich mehrmals versuchte, mich zu verabschieden und es nicht schaffte. Doch dann lag ich im Bett, ging meine Instagrambilder durch und fand meine Twitteravatare. Diese Bilder haben mir gezeigt, wie lange ich doch schon dabei bin. Ich erinnere mich bei den meisten Avas, zu welcher Zeit ich sie hochgeladen habe, was ich zu dieser Zeit machte und twitterte und wer von euch hinzukam (der Ranke kam wegen meines Beanie-Avas – jaha, ich habe es nicht vergessen). Also beschloss ich die Collage zu machen, den Tweet zu schreiben und aufzuhören. Und dann ging es los. Ich habe ehrlich gesagt mit keiner Reaktion gerechnet, mit ein paar Favs und mehr nicht. Doch dann explodierte mein DM-Fach und ihr überschlugt euch mit Wünschen, Bedauerungen und (wie sollte es anders sein) Kleinerdreis. Und dann habe ich geweint. Ich habe richtig geheult. Jede Nonmention, jede Mention, jede DM hat mir sehr viel bedeutet, weil ihr mir sehr viel bedeutet. Ihr, die ich euch innerhalb des letzten Jahres zum Teil persönlich getroffen und lieb gewonnen habe. Ihr, die ich noch nie gesehen oder gehört habe, die ich aber durch DMs und What’s App Nachrichten kennen und schätzen gelernt habe, und zuletzt ihr, die ich regelmäßig lese, die mich lesen, die da sind. Also kam ganz schnell der zweite Verabschiedungstweet, dass es sich wirklich nur um einen Abgang auf Zeit handle und ich dank euch Rotz und Wasser weine. Und dann kam noch der letzte Tweet mit meinen Regieanweisungsklammern und somit der erbärmliche Versuch, euch liebevoll bis bald zu sagen. So weit erst einmal.

07.01.2015 Mein erster Tag ohne Twitter und der Todestag eines Freundes

Ich gebe zu, ich habe euch heute morgen kurz gelesen und auch eben noch einmal, kurz bevor ich schlafen wollte. Und die DMs gecheckt. Und für das Twavaria die letzten Teilnehmer hinzugefügt. Aber ich habe nicht geschrieben und das war an dem Tag nicht so einfach. Vielleicht sitze ich auch jetzt deswegen hier und blogge, weil ich einfach alles über das Schreiben verarbeite und es mir gut tut.
Vor mittlerweile drei Jahren starb ein Freund von mir. Ich kannte ihn zwei Jahre und drei-eineinhalb Monate. Ich lernte ihn kennen, als ich für einen Leistungskurs an eine andere Schule ging. Zusammen mit zwei anderen Mädchen waren wir die Außenseiter in der Kunstklasse, die seit der 5. Klasse zusammenklebte. Anschluss zu finden war nicht einfach, vor allem weil die Schulen auch ein bisschen verfeindet waren. Aber er ging auf uns zu, war nett und freundlich und ich mochte ihn bald sehr. Und dann kam der Schock, auf einmal hieß es, er sei tot. Sein Bruder schrieb für ihn ein Lied und ich weine immer noch jedesmal, wenn ich es höre, vor allem an der einen Stelle, an der ein Klaviersolo eingespielt wird, das er vor seinem Tod noch aufnahm. Er ist (-er war [schluckt]) der erste meiner Freunde, der starb und ich werde wohl nie vergessen, wie wir uns an der Notenbekanntgabeparty in die Arme fielen. Nie werde ich die Stimme, das Lächeln oder die durch die Brille riesig wirkenden, tiefblauen, strahlenden Augen vergessen. Ich werde seine Bilder nicht vergessen, seine Art zu zeichnen, im letzten Moment das Konzept eines Bildes völlig auf den Kopf zu stellen, die Leinwand auch mal komplett schwarz zu überpinsel und innerhalb von zehn Minuten wild darauf rumzuritzen und ein kleines Kunstwerk zu erschaffen. Ich werde die Schlachten am Spülbecken nicht vergessen, nicht das Farbemischen, nicht das Rumschrauben an unserer Installation und auch nicht meinen Handabdruck auf seinem Malerhemd. Mein Handabdruck, der ihm Glück fürs Abitur bringen sollten, das wir beide nicht ernst nahmen und es doch ganz gut meisterten. Um es mit den Worten seines Bruders zu sagen: „I will miss you, forever and a day, but in my heart you’ll stay.“ Für immer. Und einen Tag.

Ich hatte Angst vor dem Tag, weil ich nicht wusste, wie ich ihn bewältigen sollte, so ohne euch.
Als ich am Bus stand, um in die Uni zu fahren, sah ich auf der Straße eine Cent Münze liegen. Hätte ich wie sonst meine TL gelesen, hätte ich ihn nicht gesehen. Also hob ich den Cent auf, machte in sauber und beschloss, dass das ein gutes Zeichen sei und das alles klappen würde. Und soll ich euch was sagen? Das hat es. Ich habe meine Bachelorarbeit angemeldet, war mit Freunden essen, hörte von Frankreich (wollte lesen, was ihr schreibt, ob euch das genauso trifft wie mich), ging ins Seminar, in die Bibliothek, fuhr mit einer Freundin ein Stück Richtung nach Hause mit (redete so viel wie schon lange nicht mehr mit ihr), verbracht eine Stunde auf meinen Zug wartend im Lieblingscoffeeshop (nicht wie sonst twitternd, sondern Kabale und Liebe lesend), fuhr eine Stunde mit dem Zug nach Hause (immer noch lesend und Musik hörend), machte Sport (Klappt bitte den Mund wieder zu, ich habe mich auch gewundert! Außerdem wollte ich die ganze Zeit einen Tweet darüber schreiben, dass ich nicht Sport machen könne, weil ich weder den Sport-BH noch den Sporthaargummi (sowas gibt’s, fragt meine Schwester) finden würde und dann ja alles rumhüpfen würde.) und dann wollte ich eigentlich noch lernen. Daraus wurde aber nichts, weil ich anfing alles mögliche zu kündigen (was genau ist unwichtig, ich merke nur einfach, dass ich mich zur Zeit von Ballast befreien muss und dazu gehören anscheinend auch Zeitschriften und Streamingdienste).

Im Bett liegend hatte ich das Bedürfnis zu schreiben, vor allem über diesen besonderen Freund, also beschloss ich, noch einmal aufzustehen und zu bloggen. Ich glaube, das könnte mein Weg sein, um die nächsten Wochen zu überstehen. Wenn ich das Bedürfnis habe, komme ich hier her und erzähle ein bisschen und ich freue mich, wenn ihr mir auch ein bisschen erzählt, was ich in eurem Leben so verpasse.

Ich werde nicht mehr twittern und euch mit der Zeit auch noch weniger lesen, weil ich die Zeit und einen klaren Kopf brauche. Es tut mir sehr leid, das so sagen zu müssen, vor allem da es am Ende eben nicht „nur Twitter“ ist, sondern vor allem die Vielfalt an Menschen.

Welle