Mein bester Freund der Tod?

 

Ich wurde von einer Twitterin, die ich sehr gerne habe, gefragt, ob ich nicht auch einen Text für #1000Tode schreiben möchte. (Kurzinfo: In einem eBook wurden und werden Geschichten rund um das Thema Tod gesammelt und dann veröffentlicht.)

Ich habe lange überlegt, über was ich schreiben möchte. Ich glaube, ich bin alle Begegnungen, die ich mit dem Tod hatte, durchgegangen.

Was ist der Tod für mich? Ein ständiger Begleiter? Nein, das eher nicht. Ein treuer Begleiter? Das schon eher. Es ist egal, wo ich hingehe, er ist nie weit entfernt. Manchmal habe ich das Gefühl, als würde ich einen Luftballon in Form des Sensenmannes immer und überall mit hinnehmen. Das Bild eines Luftballons trifft es für mich ganz gut. Für mich strahlt er nicht die Bedrücktheit einer dunklen Wolke aus, sondern springt fröhlich neben mir her, mal etwas weiter entfernt, mal etwas näher, bedrängt mich nicht wirklich, lässt mich aber auch nicht ganz alleine und vor allem: Er liefert mir immer den Ausweg. Ich bin nicht sehr belastbar. Ich bin aber sehr empathisch. Die Stimmungen von anderen übertragen sich auf mich. Deren Probleme werden zu meinen Problemen. Hinzu kommen einige Phobien, ein paar Ängste und die üblichen Nebenerscheinungen. Mein Umfeld versteht das nicht. Ich habe viele Kreisdenker in meiner direkten Umgebung und einfach nicht die Nerven, denen das zu erklären. Vor allem, weil ich weiß, dass sie es einfach nicht verstehen würden. Aber ich habe ja noch meinen Luftballon. Und immer, wirklich immer, wenn ich nicht mehr kann, wenn ich völlig am Ende bin, wenn ich mich in irgendeinem Extrem befinde, dann ist er da. Er zeigt mir einen Ausweg und eine Lösung. Er ist mein kleiner Hoffnungsschimmer. Und am meisten Kraft gibt er mir dadurch, dass ich jedes Mal zu dem Entschluss komme, dass ich es schön finde zu leben und kämpfen werde. Für mich wirkt der Tod oft wie die Lösung auf alle Fragen, aber ganz tief in mir weiß ich, dass er irgendwann meine Erlösung sein wird und dass nicht ich entscheiden werde, wann es soweit sein wird.

Ich habe mich entschieden, nicht diesen Text einzureichen. Wahrscheinlich wird es ein Text über die Liebe meiner Großeltern und die Reaktion meines Opas als er meine Oma in ihrem Sarg liegen sah: Ein Schrei, ein Weinen, das ich nie vergessen werde.
Würde ich diesen Text einreichen und würde mein Name darunter stehen, würde ich vorwurfsvolle Blicke ernten und meine Mutter würde dieses Mal nicht leidend und zugleich verurteilend über ihre Freundin und deren Tochter sprechen, sondern über mich. „Wie schlimm das ist, wenn das eigene Kind sagt, dass es am liebsten nicht mehr leben würde.“ Nun ja. Ich sage das ja nicht. Ich sage nur, dass ich mit dem Bewusstsein lebe, dass der Tod in meinen Gedanken immer bei mir sein wird. Dass wir immer Hand in Hand gehen werden und zwar durch das Leben. Aber den Unterschied wird sie nicht verstehen.

 

Veränderung.

Hamburg.

Meine größte Veränderung in der letzten Zeit. Und mit dieser großen Veränderung, dem Umzug vom Süden in den Norden, kamen auch ganz viele kleine. Es ist nicht alles gut und das wird es auch noch länger nicht sein, aber es fühlt sich so an, als wäre ich auf dem Weg dahin. Ich bin ab und zu gestresst und angespannt und merke, dass es etwas viel wird, aber ich zerbreche nicht mehr. Ich sitze nicht mehr auf dem Boden, weil ich zu schwach bin zu stehen. Ich stehe nicht mehr unter der Dusche und kann die Tränen nicht mehr zurückhalten. Ich weine nicht mehr. Und wenn ich weine, dann vor Lachen. Ich kann wieder lachen. Ich habe gelernt vor fremden Menschen zu essen. Ich kann in der Öffentlichkeit essen. Ich habe keine Angst mehr vor der Öffentlichkeit und gebe ihr nicht mehr so viel Macht über mich. Ich habe mir angewöhnt, weniger peinlich zu finden. Ich rege mich über weniger auf. Ich versuche zu unterscheiden: Zwischen Dingen, die ich beeinflussen kann und in die ich meine Energie stecken kann, und Dingen, die ich nicht ändern kann und die mir egal sein können. Mir ist nicht mehr alles egal. Ich kann wieder fühlen. Ich glaube sogar soweit gehen zu können und sagen zu können, ich kann mich wieder verlieben. So richtig und mit allem.

Ich werde immer noch von meinen Gefühlen und Gedanken überrumpelt. So wie vorhin. Ich habe nicht gemerkt, dass mir die letzte Zeit Energie geraubt hat und saß auf meinem Bett. Leer und gleichzeitig voll. Gedankenleer und gefühlvoll. Und ich glaubte weinen zu müssen. Aber statt zu weinen, konnte ich darüber nachdenken. Ich schaffte es, die einzelnen Gefühle zu finden, ihnen Bilder und Erlebnisse zuzuschreiben und sie einzuordnen. Ich stand nicht mitten in einem Kreisel, in dem die Gefühle immer schneller und schneller fuhren und sich letztendlich alles dreht und ich mich in entgegengesetzte Richtung bewegte, dagegen ankämpfte und von ihnen niedergestreckt wurde.

Ich habe mich in zwei Monaten Hamburg verändert. Und das war auch dringend nötig.

Verstehen lernen

Ich wollte heute nur Joghurt und Haferflocken kaufen. Stattdessen stand ich an der Kasse und blickte auf eine Packung Dickmänner, auf zwei Schachteln Kinderschokolade, auf Kekse, auf Spezi, auf Gummibärchen, auf eine Tüte Chips. Ich weiß, dass es dumm ist, das alles zu kaufen. Aber ich muss. Ich weiß nicht wieso, aber ich kann nicht anders. Seit ein paar Monaten rede ich ziemlich offen darüber. Der Satz „Ich habe eine Essstörung.“ kommt mir mittlerweile sehr leicht über die Lippen. Doch Gefühle sind damit nicht verbunden. Es ist eine Art Rechtfertigung. Aber kein Bekenntnis. Und verstanden habe ich es sowieso nicht. Ich habe gehungert und gefressen. Beide Extreme. Gekotzt habe ich selten. Das war mein letzter Ausweg. Ich korrigiere: Das ist mein letzter Ausweg. Wenn ich nicht mehr kann. Wenn nichts mehr geht. Wenn alles zu viel wird. Ich muss mir das eingestehen und es vor allem verstehen.

ICH. HABE. EINE. ESSSTÖRUNG.

Wenn ich mit Freunden zum Essen gehe, bin ich fast immer als Letzte fertig und habe nur die Hälfte gegessen. Ich kann nicht schnell essen und in Gesellschaft auch nicht viel. Außer es geht mir wirklich richtig gut, dann geht auch mal ein Burger. Aber es dauert ewig und nach den ersten Bissen kämpfe ich mit mir und mit einer Übelkeit, die an guten Tagen schnell verschwindet.

An schlechten Tagen kann ich nicht aufhören zu essen. Immer vorrausgesetzt ich bin alleine und es sind Süßigkeiten zu Hause. Aber das sind sie immer. Bei jedem Einkauf muss mindestens eine Sache mit Zucker dabei sein. Es ist ein Zwang, dem ich nicht entkomme. Oft liegt das unbeachtet im Schrank. Aber manchmal und momentan zu oft, esse ich es. Und ich kann nicht aufhören. Eine Stunde später sitze ich dann da und verspüre den Drang Sport zu machen. Das vergeht meistens ziemlich schnell und wenn nicht, greife ich nach dem Sport sofort wieder zur Chipstüte.

An den Tagen geht einfach gar nichts. Ich hasse alles und jeden und vor allem mich. Ich hasse mich aufgrund meiner mangelnden Selbstbeherrschung. Weil ich wieder schwach war. Weil ich mich im Spiegel ansehe und wortwörtlich das Kotzen bekomme. Ich möchte keine Kommentare über mein Aussehen. Ich weiß, dass ich nicht hässlich bin. Ich weiß es, aber verstehe es nicht. Es geht nicht in meinen Kopf und solange ich es nicht verinnerlichen kann, lasse ich es auf andere Arten raus. Oder stopfe es in mich rein.

Ich war so stolz auf mich, weil ich das komplette Studium durchgehalten hatte. Ohne einen Rückfall. Ein paar mal war der Gedanke da, dass ich mich nur übergeben müsste, um wieder die Kontrolle zu haben, aber da es mir gut ging, blieb es nur bei dem Gedanken.

Und jetzt. Jetzt geht alles wieder von vorne los. Weil ich nicht nein sagen kann, weil ich es immer jedem recht machen muss, weil ich mich für zu viel schuldig fühle.

Ich habe nicht gelernt, was Liebe ist. In meiner längsten Beziehung hat mir mein damaliger Freund ansatzweise gezeigt, wie es sich anfühlen könnte. Seine Familie, die mich ohne wenn und aber aufnahm, gab mir zum ersten mal einen Einblick in ein Familienleben, in dem man für einander da ist. Ich habe kein schlechtes Elternhaus. Ich habe nur nie ein „ich liebe dich“ oder ein „ich mag dich“ gehört, nicht einmal ein „ich bin stolz auf dich“. Egal was ich anfange, meine Eltern stehen dem und mir skeptisch gegenüber. Ich weiß nicht, ob sie mir nichts zu trauen, oder nur einfach nicht an mich glauben. Ich merke nur, dass sie nichts von dem, was ich tue, gut finden. Mache ich was mit Freunden, bin ich zu lang unterwegs. Mache ich nichts, habe ich zu wenig soziale Kontakte. Das Einzige, was ich ihrer Meinung nach den ganzen Tag machen sollte, ist mich um die Uni zu kümmern. Da sie mit meinen Berufswünsche auch nicht zufrieden sind und dass ich nach Hamburg gehe, total bescheuert finde, weiß ich nicht mal auf was ich ihrer Meinung nach hinarbeiten sollte.

Ich brauche Hamburg. Ich muss mich abkapseln. Ich muss lernen, mein Leben zu führen und nicht das, das sie gerne hätten. Ich will es jedem recht machen. Wahrscheinlich auf der Suche nach Anerkennung. Lerne ich einen Mann kennen, der nett zu mir ist und mir Komplimente macht, der mehr von mir möchte, kann ich mich nicht entziehen. Ich kann nicht nein sagen, auch wenn ich weiß, dass das nichts für mich ist. Ich rede mir dann Dinge ein, die ich gut an ihm finde, belüge mich selbst und rechtfertige so mein Handeln vor meinem Gewissen. Und wenn es dann mal wieder passiert, dass mich einer gefunden hat, der mir die tollsten Dinge sagt, der mich für sich möchte, aber nur nach seinen Bedingungen, und ich nicht nein sagen konnte, dann ist es so wie heute, dass ich nur noch Verachtung für mich empfinde und versuche durch das minimale Glücksgefühl beim Essen alles Schlechte zu verdrängen.

Das klappt nur nicht. Das hat es nie und wird es nie. Ich sollte es endlich verstehen.

Von dem Mädchen, das immer Heimweh hatte, zu der Frau, die kein Heimatgefühl mehr kennt

Ich bin gerne unterwegs. Ich brauche mir nichts vor zu machen. Ich weiß, dass ich vor Dingen fliehe. Vor Menschen, vor Gefühlen, vor der Vergangenheit, vor mir selbst. Ich bin rastlos geworden und ständig auf der Suche. Auf der Suche nach Vertrauen, auf der Suche nach Geborgenheit, auf der Suche nach mehr.

Und immer wieder passiert es mir, dass ich dabei zu viel von mir gebe. Ich vertraue zu schnell, lasse Menschen zu nahe an mich heran und werde am Ende wieder verletzt. Noch dazu verzeihe ich oft voreilig, was manchen die Möglichkeit bietet, mir mehrmals weh zu  tun und ich habe den Eindruck, dass sie das auch viel zu gerne machen. Ich habe mir vorgenommen, etwas mehr auf mich aufzupassen. Ich bin in dieses Jahr schon mit einer Enttäuschung gestartet und diese Enttäuschung hat es geschafft mich innerhalb eines Monats dreimal einzuholen und mir immer wieder eine schallende Ohrfeige zu verpassen. Ich hoffe, dass ich standhaft bleibe und es durchhalten kann, diesen Menschen außerhalb meines Lebens zu lassen. Und mit diesem Menschen möchte ich auch einen großen Teil der Twitterwelt außen vor lassen. Nämlich den Teil, der mir nicht mehr gut tut. Ich vermisse meinen Account, ich mag den Namen sehr und weiß, dass ich manches nur damit bewältigen konnte. Mittlerweile sind es aber so viele Menschen, die mich täglich lesen und denken, dass sie wissen, wer ich bin. Ich möchte das nicht. Ich will keine Erwartungen erfüllen müssen. Ich will nicht analysiert werden. Ich möchte wieder zurück zu mir. Ich möchte nicht mehr bei jeder Kleinigkeit in Tränen ausbrechen, ich möchte mir nicht mehr Sorgen um 250 andere Accounts machen. Ich möchte nicht DMs schreiben, dabei falsch verstanden werden und tagelang dieser Person hinterherrennen, damit sie wieder mit mir spricht. Ich möchte nicht mehr das Wohlbefinden wildfremder Menschen über mein eigenes stellen. Ich will meine Gedanken loswerden und leichter weitermachen. Ich will für meine Freunde da sein, ich möchte wirklich wissen, wie es ihnen geht, und nicht erst mitbekommen, dass sie sich mies fühlen, wenn es schon fast zu spät ist. Ich will trotzdem meinen Weg gehen, auch wenn er mich 800 Kilometer von ihnen entfernt. Und ich weiß, dass das nicht der letzte Ortswechsel sein wird. Ich werde immer weiter ziehen. Und das ist gut so. Mein Zuhause ist der Weg.

Vorfreude auf das Ungewisse

Und vielleicht fange ich einfach an mich auf das, was kommt zu freuen. Denn im Moment tue ich das wirklich. Ich habe mittlerweile unzählige Bewerbungen verschickt, morgen schicke ich die letzten an die Universität und es fühlt sich gar nicht so schlecht an, ein halbes Jahr lang machen zu können, was ich will. Ich bin ziemlich gespannt, was kommen wird, aber da mich das Neue, das Unbekannte und hoffentlich auch das Aufregende so sehr reizt, treibt es mich an, um den Rest zu schaffen. (Weswegen ich mir gleich noch einen Einstufungstest mitten in die Klausurenphase gelegt habe, aber: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und da war ja auch noch was mit diesem „yolo“.) Und ich freue mich sehr auf das Twavaria (das noch mitten in meiner spannenden Phase und Twitterabstinenz liegt) und das Twizzadate (da hab ich dann auch ALLES hinter mir) ich bin so gespannt auf euch und freue mich nur noch.
Bis bald, Welle.

Ich bin Charlie

„Ein schwarzer Tag für die Pressefreiheit in Europa“ (Reporter ohne Grenzen)

Journalisten riskieren immer wieder ihr Leben. Es ist eine erschreckend lange Liste mit Reportern, Fotografen und Karikaturisten, die ihr Leben für die Berichterstattung ließen. Ich denke an Faisal Qureshi, einen Mitarbeiter der The London Post, der jahrelang Morddrohungen erhielt und 2011 in Pakistan ums Leben kam. „Police reports said Qureshi’s throat had been cut and described his body as showing signs of torture“ (The Express Tribune). Ich denke an Anja Niedringhaus, eine Fotojournalistin, die in die Kriegsgebiete reiste und mit ihren Fotos Geschichten erzählte (http://blogs.mprnews.org/newscut/2014/04/anja-niedringhaus-humanity-in-her-own-pictures/), die 2014 in Afghanistan erschossen wurde. Seit gestern denke ich an Stéphane Charbonnier, Jean Cabut, Georges Wolinsiki und Bernard Verlhac, kurz an Charb, Cabu, Wolinsiki und Tignous, die am 7. Januar bei einem Terroranschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo ermordet wurden.

„Je suis Charlie“ –  „I am Charlie“ – „Ich bin Charlie“

Ich habe eine Stimme, die gehört werden kann. Ich habe meine eigene Meinung. Ich habe einen Stift, ich habe Wörter, ich habe die Kraft zu kämpfen. Ich habe die mächtigste Waffe der Welt: Freie Gedanken.

Ich habe die Kraft für die großartige Presse- und Meinungsfreiheit einzustehen. Ich habe die Kraft gegen Vorurteile zu kämpfen. Ich habe die Kraft auf die Straße zu gehen und der ganzen Welt zu zeigen, dass es Menschen gibt, die sich nicht unterkriegen lassen. Ich habe die Kraft für andere zu kämpfen.
Und ihr habt sie auch.

Liebe Lehrer, seht euch im Französischunterricht Karikaturen der Charlie Hebdo an, analysiert im Deutschunterricht die Reden unserer Politiker, zeigt ihnen, die Schockstarre, in der sie sich, unfähig zu handeln, befinden. Werdet nicht müde im Geschichtsunterricht zu betonen, wie viele für die Freiheit der Presse und das Recht auf eine eigene Meinung ihr Leben ließen. Macht sie vertraut mit Pegida. Erklärt ihnen, was dahinter steckt, zeigt ihnen, welche Mittel verwendet werden, um Mensche zu beeinflussen. Gebt nicht auf ihnen Zusammenhänge zu erklären. Zeigt ihnen, wie es vor nicht einmal hundert Jahren zum Holocaust kommen konnte. Zeigt ihnen wie machtvoll die Medien sind, wie sie eingesetzt werden, sowohl für das Gute als auch für das Schlechte. Gebt euren Schülern alle Informationen, die sie brauchen, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Gebt ihnen die Fähigkeit für diese Meinung einzustehen und zu kämpfen, dafür auf die Straßen zu gehen und nicht aufzugeben. Gebt unserer Gesellschaft eine Chance auf eine Zukunft, in der wir aus unserer Vergangenheit gelernt haben und begriffen haben, dass Hautfarbe, Religion und politische Gesinnung keine Gründe für Blutvergießen sind.

Lasst uns nicht die Augen verschließen, lasst uns offen durch die Welt gehen und zeigen, dass wir da sind.

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Ich habe Twitter verstanden, zumindest ein bisschen

Wenn ich an Twitter denke, denke ich an Sterne. An die Sterne unter denen wir zu dritt vor der Bayerischen Staatsoper saßen und quatschten. Ich denke an eine Welle, die umgeben von Ostseesand zwischen zwei Plexiglasscheiben in meinem Regal ruht. Ich denke an einen Adventskalender, der mich jeden Tag im Jahr lächeln lässt. Ich denke an einen Glückswichtel, der an meinem Wecker lehnt. Ich denke an meinen ersten Städtetrip so ganz alleine hin zu wild fremden Menschen quer durchs Land. Ich denke daran, wie ich mich noch mehr in Hamburg verliebt, vor allem wegen der Menschen, die ich dort traf. Ich denke an die Flasche Elbwasser und das Gläschen Elbstrandsand in meinem Regal, neben dem Holzbrettchen, auf dem Wellen zu sehen sind, mein Name und der Twittervogel. Ich denke an das Bild, das auf dem Regal steht, an die anderen Bilder, die ich von diesem Twitterer kaufte und eines meinem besten Freund schenkte. Ich denke an mein absolutes Lieblingsbild. Ich denke an Alkohol, der während Gesprächen, beim Mario Kart spielen, auf einem Balkon in Hannover oder auf dem Tollwood floss. Ich denke an mein erstes Kölsch. Ich denke an Kaffee, an Bier auf dem Nachhauseweg, an Fußballspiele, an einen Kuss. Ich denke an Worte, für immer gefesselt auf Papier, auf den Postkarten, die mittlerweile nicht nur die Wand in meiner Küche, sondern auch die Leine hinter meinem Bett bewohnen. Ich denke an Bücher über eine Männer-WG, eine rüstige Rentnerin, Katzen und viel mehr, die in einem eigenen Fach neben meinem Bett stehen. Ich denke an einen Roadtrip, an Umarmungen, an strahlende Augen, an Stimmen, an Lachen, an einen Hund, an zwei Hunde, an die Weser, an zwei Väter, an eine Mutter, an einen Abend im Kino, an neue Städte, an Averna, an einen Aschefleck, der sich zwar nicht auf meinem, aber dennoch dem gleichen Kleid befand, an Weißwein, an meine Beanie, die mir jeden Tag die Ohren wärmt, an Zugfahrten, an einen Kaffee der zum Zug gebracht wurde, an ein Eis an der Alster, die Bank, eine Skizze davon, einen Tee an gleicher Stelle zwei Monate später, den Sonnenaufgang über Hamburg, eine Flaschenpost, an Sternschnuppen, an Regen und Kälte, an Sonne und Wind, an Smartphones, die weggelegt wurden, an euch und mich. Ich denke an Worte, an Emotionen, an Menschen.